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Background: Das neue Rennen um den Weltraum

Startups und innovative Unternehmen machen selbst vor der kommerziellen Nutzung des Weltraums nicht halt. Werden wir bald zum Vergnügen an den Rand des Weltraums fliegen? Leben bald Menschen auf Mond und Mars? Werden wir bald Mineralien auf Asteroiden abbauen? Ein Blick auf den aktuellen Stand der kommerziellen Weltraumnutzung lohnt sich.

Wer so wie ich in den Siebziger- und Achtzigerjahren aufgewachsen ist, der konnte eine Zeit des grenzenlosen Weltraum-Optimismus erleben. Gerade erst waren die ersten Menschen auf dem Mond gelandet, die Weltraumsonden Voyager 1 & 2 erkundeten die äußeren Planeten des Sonnensystems und die NASA träumte von Kolonien auf dem Mond und Mars. Doch sinkende Budgets bei den Weltraumagenturen, Wirtschaftskrisen, der Zusammenbruch des Ostblocks und Rückschläge wie die Challenger-Katastrophe ließen die großen Weltraumambitionen wie Seifenblasen zerplatzen.

Viele Jahre sah es so aus, als ob der nahe Erdorbit, unbemannte Raumsonden zu den nächsten Planeten des Sonnensystems und die internationale Raumstation ISS für die absehbare Zukunft das höchste der Gefühle sein würden. Russland setzte nach dem Zusammenbruch der UdSSR auf die altbewährte Technologie der Sojus-Raumkapseln, die USA mussten aus Kostengründen und Aufgrund der Überalterung das Space Shuttle-Programm einstellen und die europäischen Länder und Japan konzentrierten sich auf die umbemannte Raumfahrt und kommerzielle Satellitenstarts.

Bildquelle & Copyright: NASA

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Dass in den letzten Jahren wieder vermehrtes Interesse am Weltraum aufkam, ist verschiedenen Faktoren zu verdanken. Auf der wissenschaftlichen Seite erlebte die Astronomie seit Beginn der 2000er-Jahre einen Höhenflug. Moderne Großteleskope am Boden und Weltraumteleskope führten zur Entdeckung tausender Exoplaneten und vieler weiterer wissenschaftlicher Erkenntnisse, unbemannte Sonden wie die Rover auf dem Mars oder New Horizon versorgten uns mit Gigabyte an hochauflösenden Bildern aus allen Winkeln des Sonnensystems.

Parallel dazu erlebte aber auch die kommerzielle Raumfahrt einen neuen Höhenflug. Wettbewerbe wie der Ansari X-Prize, der für den ersten Flug eines privat finanzierten und wiederverwendbaren Raumfahrzeugs in eine Höhe von 100km über der Erdoberfläche zehn Millionen US-Dollar versprach, beflügelten private Unternehmen im Kampf um den Weltraum. Gewonnen wurde der Ansari X-Prize 2004 von dem Unternehmen Scaled Composites, deren Technologie die Basis für das private Raumflugunternehmen Virgin Galatic ist, das heute Privatpersonen für kurze Flüge an die Grenze des Weltraums mitnimmt. Und weitere Preise wurden von der X-Prize Foundation bereits ausgelobt. Google hat mit dem Google Lunar X-Prize 20 Millionen US-Dollar Preisgeld für den ersten privat finanzierten Flug eines unbemannten Rovers zum Mond in Aussicht gestellt.

Die knappen Budgets und überbordende Bürokratien bei den staatlichen Raumfahrtagenturen eröffneten aber auch im Bereich der Trägersysteme neue Möglichkeiten für private Unternehmen. Elon Musk, Gründer des Elektroauto-Herstellers Tesla, hat mit seinem Raumflug-Unternehmen Space X die Trägerrakete Falcon 9 entwickelt. Deren dritte Stufe kann nach erfolgreichem Absetzen einer Nutzlast im Erdorbit selbstständig wieder in die Atmosphäre eindringen und auf einem unbemannten Drohnenschiff landen. Durch die Wiederverwendung der dritte Stufe sinken die Kosten deutlich gegenüber Raketen, die nicht wiederverwendbar sind. Mit diesem Konzept konnte Space X die NASA überzeugen, die 2008 einen Vertrag im Wert von 1,6 Milliarden US-Dollar für zwölf Versorgungsflüge zur ISS unterschrieb. 2014 vergab die NASA zudem einen Auftrag im Wert von 2,6 Milliarden US-Dollar für die Entwicklung eines bemannten Transportsystems mit dem Namen Dragon V2 an Space X.

Doch der erdnahe Orbit ist nicht genug. Die holländische Stiftung Mars One möchte 2020 die erste unbemannte Sonde auf den Mars schicken und ab 2026 die ersten menschlichen Kolonisten. Allerdings handelt es sich für die Kolonisten um einen One Way-Flug ohne Rückkehr zur Erde. Trotzdem fanden sich bei einem öffentlichen Bewerbungsverfahren tausende Freiwillige für den Flug ohne Wiederkehr zum unserem roten Nachbarplaneten.

Private Unternehmen wie Deep Space Industries oder Planetary Resources möchten auf erdnahen Asteroiden Mineralien abbauen, die dort in wesentlich höheren Konzentrationen vermutet werden als auf der Erdoberfläche. Luxemburg hat Anfang Juni 2016 angekündigt, dass es 200 Millionen Euro an Förderungen für Unternehmen aus dem Bereich Weltraumbergbau bereitstellen wird, die ihre europäischen Zentralen in Luxemburg etablieren. Es möchte sich damit als europäisches Silicon Valley für die Raumfahrtindustrie positionieren.

Selbst die staatlichen Raumfahrtagenturen sind nicht untätig. In den kommenden Jahren sollen ambitionierte Forschungsprogramme wie das James Webb Space Telescope, Nachfolger des Hubble Space Telescope, ein eigener europäischer Marsrover oder JUICE, eine Sonde zu den eisigen Monden Jupiters, realisiert werden. Neben den USA und Europa streben aber auch China und Indien mit staatlichen Raumfahrtprogrammen ins All. China etwa möchte selbst bemannte Missionen zum Mond durchführen. Sowohl in der privaten, kommerziellen als auch in der staatlichen Raumfahrt stehen uns spannende Jahr bevor.

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